Interview mit dem ehemaligen ATV und Nationalteamspieler Christoph Neuhold

29. Juni 2020

Wir haben uns mit dem ehemaligen ATV und Nationalteamspieler Christoph Neuhold, der jetzt beim 1. Ligisten HSC 2000 Coburg unter Vertrag ist, unterhalten, als er in der Heimat zu Besuch war.

 

Christoph, jetzt bist du auf Heimaturlaub.
Was fehlt dir in der Heimat, wenn du in Deutschland bist?

Die Familie, die Berge und auch Freunde, wobei ich mir da in D mit den Spielern einen neuen Freundeskreis aufgebaut habe, der recht weit verstreut ist.
Und daheim war ich diese Woche am Reichenstein. Es ist sehr schön da und das vermisse ich.

 

Was vermisst du an Deutschland, wenn du hier bist?
Die Hallen, die Spiele, die Zuschauer.
Wobei vermissen das falsche Wort ist, ich genieße die Zeit, die Ruhe, den Urlaub, kann Energie tanken und wenn es dann wieder los geht, freue ich mich sehr darauf.

 

Wie schaut es mit der Jugendarbeit aus in Coburg, im Verein?
Es gibt ein Projekt, dass jeweils ein talentierter Jugendspieler mit in die 1. Mannschaft aufsteigen soll. Seit ich da bin, hat das immer geklappt.

Die Jugend spielt gut in der B Jugend, es gibt einige Talente.

Wir haben auch eine 2. Mannschaft in Coburg, die spielen in der Bayern Liga, das ist auch eine gute Möglichkeit zum Herantasten.

In Deutschland ist Sport und auch der Hallensport allgemein und damit der Handball viel verbreiteter und wird besser angenommen, dadurch gibt es auch mehr Jugendspieler.

Natürlich wohnen hier auch wesentlich mehr Menschen.

In Coburg und auch mit anderen Schulen gibt es Kooperationen, eine Art Akademie wurde etabliert, die Jugendlichen wohnen dann vor Ort in einer WG und gehen hier zu Schule.

Für jene, die den Sprung nicht schaffen (wollen), gibt es bei uns die Möglichkeit in der unteren Liga zu spielen oder in andere etablierte Vereine zu wechseln. Dadurch, dass wir nun in der ersten Liga spielen, ist der Sprung schwerer zu schaffen.

 

Zu Corona: Wie war die Stimmung bei euch, wie ist es gelaufen? 
Musste jemand aufhören?
Für die finanzielle Seite war es natürlich eine schwierige Zeit, viele Spieler sind auf Kurzarbeit geschickt worden. Wir konnten weder trainieren noch spielen. Durch Zusammenhalt und Verzicht geht es auch im Sommer wieder weiter.

 

Wie habt ihr trainiert?
6 Wochen lang, individuell auf Empfehlung der Trainer haben wir von Zuhause trainiert, danach 3 Wochen in Kleingruppen um wieder Sprungwürfe und passen  zu trainieren.

 

Wie geht es nun weiter?
Die Liga hat entschieden, erst im Oktober zu beginnen, was sehr vernünftig ist, da die Verletzungsgefahr aktuell zu hoch ist. Es ist eine gute Entscheidung für die gesamte Vorbereitung, um das Training langsam zu steigern.

 

Was erwartest du dir für die nächste Saison?
Ich kann es noch nicht fassen, für mich ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen.

Wir wollen natürlich in der 1.Liga bleiben und ich freue mich auf jedes Spiel, wir werden viel lernen und viel Spass haben.

Wir werden gegen große Klubs spielen, auch gegen den THW Kiel. Das ist schon eine tolle Sache. 

 

Zurück zur Heimat: wir haben 2 Vereine zusammengelegt. 
Es geht viel um die Jugend, gerade im Alter zwischen 14 und 16 Jahren wollen viele aufhören, was kannst du einem Jugendspieler mitgeben?
Man braucht ein Ziel vor Augen. 

Durchhalten ist die Devise und dranbleiben, um zb in der Kampfmannschaft vor vollem Publikum zu spielen.

Ich hab immer einen Traum gehabt und jetzt spiele ich in der 1. deutschen Liga. 

Und ja, man denkt ans Aufhören. Ich kenne das selber, einige haben aufgehört und auch ich hatte Phasen, in denen ich lieber ins Freibad oder schifahren gegangen wäre.

Es gibt in Wahrheit genug Zeit und auch die Handballer sind deine Freunde.

Wenn man sich aber ein Nationalteamspiel ansieht und mit 1000enden Leuten zusammensitzt, spürt man die Energie und dann soll man sich an seinen Traum, das Ziel erinnern.

 

Wie siehst du die Fusion von Trofaiach und Bruck?
Es macht wirtschaftlich und sportlich Sinn, finde das sehr positiv.

Ich hab schon vor ca. 3 Jahren mit Martin Breg drüber gesprochen, dass Zusammen zu gehen ein Schritt in die richtige Richtung wäre, um sich langfristig zu etablieren.

 

Was ist dein persönlicher Wunsch?
Uns in der 1. Liga etablieren, nach Deutschland zu gehen war mein Traum und den habe ich mir erfüllt.

 

Wir bedanken uns für das Interview.